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… die Bigotterie der Neutralität

Tief durchatmen musste ich nach rund 500 Seiten “Operation Zagreb” von Philip Kerr, erschienen bei Rowohlt/Wunderlich.
Eine internationale Konferenz zur Verbrechensbekämpfung mitten im Deutschland des zweiten Weltkrieges und Chefzyniker Bernie Gunther mitten drin. Das erinnert an Realsatire, die offenbar die Zeiten überdauert hat, insbesondere, wenn ich mir heute polemisierende und bigotte Amtsträger auf allen Kontinenten vor Augen führe.

Bernie Gunther wird von Nazi-Propaganda Minister Goebbels auf eine, für ihn lebensgefährliche Reise durch das Kriegsdeutschland von 1942 geschickt, um den Vater einer Schauspielerin zu finden. Philip Kerr gelingt es, mich durch eine in ihrer Präzision erschreckenden Deutlichkeit, bei der Beschreibung der Kriegsverbrechen des zweiten Weltkrieges, in einen Zustand von Fassungslosigkeit und tiefer Trauer zu versetzen.
Bei all dem Irrsinn von Massentötungen und Verfolgung von Menschen bewahrt sich Bernie Gunther, auch im Angesicht des Todes, seinen zynisch / ironischen Humor, wenn er sich mit Nazis, Amerikanern und Schweizern anlegt und nebenbei noch eine Frau erobert.
Philip Kerr deckt in “Operation Zagreb” die Bigotterie von vermeintlich neutralen Eidgenossen auf und hält uns allen den Spiegel vor. Heute wie damals sahen die Menschen einfach weg, wenn es darum ging, sich mit unangenehmen Wahrheiten beschäftigen zu müssen oder den eigenen Wohlstand zu sichern. Da kann man schon mal übersehen, welchen Verwendungszweck exportierte Holzbarracken beim Käufer haben. Heute nennt man das “dual use” -Güter.

Hervorragend kombiniert Kerr dabei die Fiktion des Kriminalfalles mit historisch belegten Fakten und Personen. Mit “Operation Zagreb” legt er einen etwas lang geratenen, aber spannenden und nachdenklich machenden Kriminalroman aus der Bernie Gunther Reihe vor.

Informationen zum Buch:
Philip KerrOperation Zagreb
Rowohlt/Wunderlich 2017
ISBN: 978-3-805251037

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… den wahren Harrison Ford

Da unterscheidet Thomas Kausch ganz genau, zwischen dem echten und dem wahren Harrison Ford. Ich habe heute bei meiner Sonntags Lektüre, “Wie ich meine Tochter durchs Abitur brachte – Ein Helikopter Vater dreht auf” von Thomas Kausch, erschienen bei Droemer Knaur, Tränen gelacht.

Da wird uns “Tochter Vätern” mal eben sehr deutlich der Spiegel vorgehalten, wie wir die Hölle zufrieren lassen, damit das heimische Prinzession wohl behütet durch das junge Leben gleitet – zur Freude der Mutter.

Thomas Kausch schafft es kurzweilig die Tücken des “Vater seins” bei einer Tochter pointiert darzustellen. Dabei nimmt er sowohl Lehrer, als auch auch jene SUV fahrenden Luxus-Eltern auf’s Korn die wohl jeder in der Schullaufbahn seines Kindes an den diversen Elternabenden genießen durfte.

Heroisch, wie eben der im Titel genannte Harrison Ford, macht sich “Indiana Kausch” auf seinen “einzigen Kreuzzug”, das Leben seiner Tochter (oder am Ende doch eher sein eigenes?) in eine gut sortierte Umlaufbahn zu bewegen. Dabei schreckt er, zum Ärger seiner Frau Kiki, auch nicht davor zurück, die pubertierende Tochter zu blamieren. Nahezu ein Wunder, dass sich Töchterchen Pauline trotz (oder gerade wegen?) der väterlichen Fürsorge prächtig entwickelt hat. Vielleicht ja auch, weil sie die väterlichen Ratschläge einfach mal ignoriert.

Am Ende bleibt die Frage aller Fragen: Was tun nach dem Abitur mit dem Helikopter Vater? Ach was soll es, das Studium naht. Es gibt weiter viel zu tun.

Informationen zum Buch:
Thomas Kausch – “Wie ich meine Tochter durchs Abitur brachte – Ein Helikopter Vater dreht auf
Droemer Knaur 2017
ISBN: 978-3426788745

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… elementare Fragen über den Sinn des Lebens

Als mich gestern in der örtlichen Buchhandlung das Buchcover “Das Cafe’ am Rande der Welt” von John Strelecky, erschienen bei dtv, quasi Ansprang und ich einmal mehr meinem “kauf mich” Reflex nachgab hatte ich die Erwartungshaltung, dass ich esoterisch angehauchtes Schriftgut erworben habe. Ich hatte keine Idee von dessen faszinierender Wirkung. Dies sollte sich nach rund 120 Seiten innerhalb weniger Stunden ändern.

John Strelecky bereitet elementare Fragen zugänglich auf, ohne das der Leser ein Philosophie Studium vor der Lektüre absolvieren muss.

Warum bist Du hier?

Hast Du Angst vor dem Tod?

Führst Du ein erfülltes Leben?

Das sind die drei Fragen, mit denen Strelecky’s Protagonist John in einem “Das Cafe’ am Rande der Welt” konfrontiert wird. Der gestresste Manager John wird durch die Begegnung mit den Charakteren Casey, Mike und Anne dazu gezwungen, sich mit den existentiellen Fragen des eigenen “Zwecks der Existenz” oder auch den Sinn des Lebens auseinanderzusetzen. Ein sehr gutes Frühstück und einige sinnstiftende Geschichten später erlangt John Selbsterkenntnis und gibt sich selbst die Antworten auf die Fragen:

Warum bist Du hier?

Hast Du Angst vor dem Tod?

Führst Du ein erfülltes Leben?

Ich habe dieses Buch verschlungen und blieb am Ende mit der existenziellen Frage zurück:

“Warum bin ich eigentlich hier?”

Informationen zum Buch:
John Strelecky – Das Cafe’ am Rande der Welt – Eine Erzählung über den Sinn des Lebens
dtv 2016 (29. Auflage)
ISBN: 978-3-423-20969-4

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… kein Sturm im Wasserglas – ein Orkan im Meer

Das Meer entscheidet, was es zu welchem Zeitpunkt preisgeben will. Dies erfährt der “Sea Detective” Cal McGill in Mark Douglas-Home’sEin Grab in den Wellen” , erschienen bei Rowohlt, am eigenen Leibe. Füsse in Turnschuhen, die angespült werden. Ein ertrunkenes, indisches Mädchen und ein verschollener Großvater, der am Ende gar nicht so verschollen ist.
Genial verwobene Handlungsstränge halten den Leser auf jeder der insgesamt 396 Seiten gefesselt.
Zum Einen ist da der Ozeanologe und Umweltaktivist Cal McGill, der durch eigenwillige Aktionen in das Fadenkreuz der Polizei gerät. Zum Anderen die Vergangenheit der eigenen Familie und der diskreditierte Großvater, deren Aufklärung McGill überhaupt erst zur Ozeanologie gebracht hat und über deren Zeitpunkt der Aufklärung am Ende das Meer und die Schatten der Vergangenheit entscheiden. Dann ist da Helen Jamieson, eine engagierte Polizistin, die die Notwendigkeit erkennt, Cal McGill in Ermittlungen zur Aufklärung eines Falls von angeschwemmten Füssen ohne Körper einzubinden sowie das indische Mädchen Basanti, verkauft, benutzt und weggeworfen wie so viele vor ihr, dass ohne die Hilfe von Cal McGill keine Chance auf ein Überleben hat. Ob Cal McGill das alles gelingt, muss der Leser selbst herausfinden. Soviel sei gesagt: Am Ende hängt vieles von den Launen des Meeres ab, wie die Fälle ausgehen und welche Abgründe orkanartig an die Oberfläche gespült werden. “Sea Detective – Ein Grab in den Wellen” ein fesselndes Buch von Mark Douglas-Home, dem hoffentlich noch einige folgen.

Informationen zum Buch:
Mark Douglas-Home – Sea Detective – Ein Grab in den Wellen
Rowohlt 2017
ISBN: 978-3-499-27246-2