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… ein Fest für Organspender – Nele Neuhaus – Die Lebenden und die Toten

IMG_4293„Die ganze Aktion in der Küche geriet zu einer Riesensauerei. Wie eine Fontäne schoss die heiße Flüssigkeit hoch, und Spritzer trafen ihr Gesicht, ihre Hände und Arme.“ (zitiert aus Nele NeuhausDie Lebenden und die Toten).  Wer jetzt glaubt, dass der aktuelle Taunus Krimi von Nele Neuhaus (erschienen bei Ullstein) mit der Zubereitung einer Kürbissuppe durch die Protagonisten schon seinen Höhepunkt erreicht hat, der irrt. Ich habe bisher um Nele Neuhaus und die Taunus Krimis immer einen Bogen gemacht, weil ich mir dachte, dass da wieder einmal jemand darauf setzt allein durch die Nennung bekannter Orte sein Buch an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Mein Sinneswandel setzte ein, nachdem ich „Unter Haien“ in einem Tag und einer Nacht geradezu verschlungen habe. Und auch was die Taunus Krimis angeht muss ich mich korrigieren. Nele Neuhaus schafft es der Geschichte durch immer neue Wendungen den notwendigen „Drive“ zu geben. Auch die Darstellung, der immer etwas hinter dem Mörder her hinkenden Polizistentruppe mit internen Querelen, Sticheleien und anteiligem Größenwahn gelingt ihr eindrucksvoll und spannend. Nele Neuhaus schafft es beim Leser sogar Verständnis für den Täter zu erzeugen. Dieser verfolgt einen perfiden Plan. Als selbsternannter „Richter“ verfolgt er die sogenannte „Organmafia“, die für Ruhm, Ehre und Reichtum Menschen opfern, um deren Organe anderen einzupflanzen. Dabei bestraft und tötet der „Richter“ allerdings nicht die Mitglieder dieser mafiös organisierten Gruppe, sondern deren dichteste Angehörige. Neben dieser wirklich spannenden Geschichte regt Nele Neuhaus massiv dazu an, über die Organspende nachzudenken. Nicht jedem, der einen Organspenderausweis bei sich trägt wird bewusst sein, wie er unter Umständen als Ersatzteillager geradezu ausgeweidet wird. 

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… “Der neue Chef”, von Niklas Luhmann

Dnc

„Hilfreich ist die Vorstellung, der Vorgesetzte habe keine Kleider an.“, so der Text auf dem Cover von „Der neue Chef“ von Niklas Luhmann (1927 bis 1998) und Jürgen Kaube (Hrsg.), das soeben im Suhrkamp Verlag erschienen ist. Naja, dachte ich mir, als ich das Buch in den Händen hielt, die Oma hat es schon in meiner Kindheit so ähnlich formuliert („Junge, stell dir die „Wichtigen dieser Welt“ in langen Unterhosen vor. Die sehen genauso bescheuert aus wie alle anderen.“).
 
Insofern war ich gespannt, was mir hier inhaltlich geboten werden würde. Die Bedeutung dessen, was Luhmann, der ja bereits 1998 verstarb, hier auf etwas über einhundert Seiten abgeliefert hat, ist gerade heute von immanenter Bedeutung. 
 
Zunächst versteht es Niklas Luhmann vortrefflich darzustellen, auf welche Weise die klassische Organisationswirtschaft die emotionale Komponente in der Beziehung zwischen Vorgesetztem und Untergebenen verkennt und ignoriert. Als grundsätzliches Versagen der Organisationswirt- und Wissenschaft würde ich das jetzt nicht bezeichnen, gleichwohl schafft es Luhmann, die heute immer wichtigere informale Ordnung von Unternehmen und deren Bedeutung für „den neuen Chef“ herauszuarbeiten. Man könnte auch von Management by Emotion sprechen. Er unterscheidet hier noch den internen und den externen „neuen Chef“. Dabei sieht sich der externe „neue Chef“ vor eine deutlich größere Herausforderung gestellt. Durch die in jedem Unternehmen vorhandenen informalen Strukturen (kurz Cliquen und Gruppen, die das Ziel haben gemeinsame Interessen innerhalb einer Unternehmung durchzusetzen, unter Umgehung formaler Regeln und Kontrollinstanzen – die sogenannten „Spin-Doktoren“ einer Unternehmung), kann es zu seiner kommunikativen Isolierung kommen, insbesondere, wenn der Vorgänger unter Umständen an anderer Position noch im Unternehmen ist. Sofern es dem „neuen Chef“ hier nicht durch geeignete Maßnahmen, monetärer oder emotionaler Art, gelingt auch akzeptierter Chef der informellen Organisation zu werden (was nach Luhmann nicht zwangsläufig mit dem Einnehmen der Position einhergeht), kann dieses zu einem grandiosen Scheitern führen. 
 
Für mich gibt es dazu herausragende Beispiele:
Zum Einen scheiterte der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler („der neue Chef“ als Kontrastprogramm, in diesem Fall ein „Nicht-Politiker“ gegen Politiker), nicht etwa an seiner mangelnden Qualifikation, sondern an den informellen internen und externen Netzwerken der Bundeshauptstadt. Gleiches gilt für die Kurie im Vatikan. Erst Papst Franziskus scheint es, zumindest in Teilen, zu gelingen, das Netzwerk der Kurie aufzubrechen, während seine Vorgänger mehr oder weniger Marionetten gleichzusetzen waren. 
Insofern liefert gerade der Vatikan ein gutes Beispiel dafür, wie Untergebene in der von Luhmann geschilderten Art und Weise ihre Vorgesetzten zu lenken vermögen, da ihnen die Komplexität der jeweiligen Entscheidungslage deutlich bekannter ist, als dem „neuen Chef“ und trifft hier den Kern, wenn er die Auffassung vertritt, dass der, der seine Vorgesetzten zu lenken vermag später Vorgesetzter wird.
 
Fazit: Niklas Luhmann’s „Der neue Chef“ ist weit mehr, als die Vorstellungskraft „vom Vorgesetzten ohne Kleider“. Die Lektüre sei insbesondere den mehrheitlich juristisch besetzten Personalabteilungen empfohlen, die auch heute noch Stellen allein auf Basis klassischer Annahmen der Organisationswirtschaft treffen und informale Komponenten ausser Acht lassen. Dies kann, wie Luhmann richtig feststellt, bei mittelständischen Unternehmen bis zur Unternehmensgefährdung führen.
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… Sony Alpha 6000 Test beim Gruga-Parkleuchten 2016

Seit einiger Zeit habe ich überlegt, ob man nicht die gute alte Nikon 5300 Spiegelreflexkamera durch eine spiegellose Systemkamera ersetzen kann. Wie soll man es anders herausbekommen, außer es selber zu testen. Also gesagt getan. Es wurde also auf Empfehlung eines Freundes eine Sony Alpha 6000 erworben und beim alljährlichen Parkleuchten im Essener Grugapark am heutigen Abend getestet. Mein rein subjektives Testergebnis, ohne mit technischen Details zu langweilen (die können auf der Anbieter Seite eingesehen werden) vorweggenommen: Ja, die Sony Alpha 6000 liefert mir die Ergebnisse, die ich von meiner Kamera erwarte, sie ist deutlich leichter, als die DSLR von Nikon und zeichnet sich durch eine unkomplizierte Bedienung aus. Dies ist nur ein erster Eindruck und die DSLR-Jünger werden mich dafür steinigen. In den nächsten Tagen werde ich mich noch eingehender mit den Einstellungen beschäftigen und darüber berichten. Es sieht aber so aus, als würde die gute, alte Spiegelreflex in den nächsten Tagen auf einer Online-Plattform zum Verkauf stehen. Aber Bilder sagen mehr als viele Worte:

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… Herr Wondrak rettet die Welt, juchhe!

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Da frage ich mich seit der DHL Benachrichtigung gestern, was da wohl kommen kann, denn eigentlich habe ich nichts bestellt. Oder doch? Dann lieferte der fleißige DHL-Fahrer heute den vor einigen Tagen bestellten Janosch Aquarell-Band „Herr Wondrak rettet die Welt, juche!“ aus der Zeit-Edition an. Den hatte ich ganz vergessen.

„Papa, seit wann lest ihr Bilderbücher?“, fragt das siebenjährige Töchterchen. „Das ist kein Bilderbuch, das ist die Sammlung von Karikaturen aus dem Zeit-Magazin, die Janosch gemacht hat. Janosch, das ist der mit der Tigerente und dem „Lach doch Mal“ Frosch in Deinem Zimmer“. Erstaunlicherweise wurde jetzt nicht nachgefragt, was Karikaturen sind…. vielleicht ja morgen dann.

Mit gelungenen Aquarellen und wenigen Worten schafft es Janosch mit seinem Antihelden „Wondrak“, das Wesentliche aus Politik und Gesellschaft auf den Punkt zu bringen. Zielführung ohne Ziele zu haben, das ist Wondrak. 99 Euro, die sich gelohnt haben.

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