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… das, was Du 1972 getan hast

Wie so oft im Leben trügt der Schein, so auch in Nele Neuhaus, neuestem Taunuskrimi, “Im Wald”, erschienen bei Ullstein.
Für Oliver Bodenstein wird schnell klar, dass der aktuelle Fall, der ihn zu nachtschlafender Zeit aus dem Bett holt, etwas mit seiner eigenen Vergangenheit, die er 42 Jahre erfolgreich verdrängt hat und der er sich nun stellen muss, zu tun hat.
Eindrucksvoll beschreibt Nele Neuhaus, dass es auch schon vor 42 Jahren sogenannte “Shitstorms” gab, zwar ohne soziale Medien der Neuzeit, gleichwohl aber dem mindestens genauso effizientem Dorf-Tratsch und -Klüngel.
“Im Wald” macht nachdenklich. Es überwältigt den Leser in sehr klaren Schlussfolgerungen, wie schnell grundsätzlich friedfertige Menschen an die Abgründe ihrer Seele gelangen, wenn sie sich und ihre Lebens-/Familien-Fassade vor dem Einsturz bedroht sehen – dies mitunter aus vermeintlichen Nichtigkeiten. Nele Neuhaus zeigt, wie ein ganzes Dorf wegschaut, weil jemand nicht richtig dazugehört, wie das Offensichtliche übersehen wird, weil unser Auge den Blick für die Details (des Lebens) verloren hat.
Diesen Blick für die Details des Lebens erarbeitet sich Oliver von Bodenstein mühsam zurück und gewinnt am Ende eine lange verloren vermutete Zukunftsperspektive.
Mindestens ebenso spannend ist die Entwicklung von Pia Sander in “Im Wald”. Geplagt von Selbstzweifeln, für eine potentielle Nachfolge von Oliver ungeeignet zu sein und einer kontroversen Ermittlungsführung zu ihrem Chef, kommen beide dem wirklichen Täter auf unterschiedlichen Wegen auf die Spur.
Was bleibt, ist die Frage, ob es weitere Fälle des erfolgreichen Ermittler-Duos aus dem Taunus gibt. Da “… ein Täterprofil nur das Treppengeländer und nicht der Haustürschlüssel ist …” bleibt, für uns Leser zu hoffen, dass weitere spannende Ermittlungen aus dem Taunus folgen.

Informationen zum Buch:
Nele Neuhaus – Im Wald
Ullstein 2016
ISBN: 978-3-550080555

Veröffentlicht von

Ambitionierter Hobby-Fotograf, Autor, Literaturkritiker und kreativer Kindskopf.

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