Mit “{…} Luka wollte nicht, dass die beiden sich anfreunden, das war die Sache.{…}” und “{…} Würdet ihr Judy vorbeibringen?{…}”, endet Klara Holm Rügen-Krimi “Rabenaas“, erschienen bei Rowohlt.
Zwei Sätze, die die Zwickmühle herausheben, aus der sich Hauptkommissar Luka Kroczek, nach 317 Seiten rätselhafter Morde und Intrigen sowie Gefährdung der eigenen Familie zu befreien versucht.
Nach Kapitel “Eins” habe ich “Rabenaas” erst einmal einen knappen Monat zur Seite gelegt, weil ich dachte, das wird nichts mit mir und dem Buch. Polizistin erschiesst versehentlich eine Unschuldige, Hetzjagd gegen die Polizistin, Lösung in letzter Sekunde, Buch fertig – so dachte ich.
Allerdings weit gefehlt. Klara Holm hat es ab Kapitel “Zwei” geschafft, mich in den Bann der Insel Rügen und der vielfältigen Akteuere zu ziehen. Auf der einen Seite eine bildungsfremde Kleinkriminellen-Familie, geführt von einer patriarchisch agierenden Mutter, auf der anderen Seite eine, bigotte, sich dem Bildungsbürgertum zugehörig fühlende Nachbarschaft, mit absolutem Anspruch der Deutungshoheit. Beiden gemein ist eine undifferenzierte, Klischee geprägte Betrachtung der jeweils anderen Gruppierung. Sippenhaft als Standardprogramm – Ausnahmen undenkbar. Wenn Klara Holm solche Charaktere aufeinander los lässt, muss es zwangsläufig “knallen”. Das tut es – gleich mehrfach. Starke und kluge Persönlichkeiten auf beiden Seiten treiben Luka Kroczek und sein Team sprichwörtlich in den Wahnsinn.
Auf der überschaubaren Ostsee Insel Rügen kann es dann auch nicht ausbleiben, dass die ermittelnden Beamten der Rügener Kriminalpolizei und ihre Familien zur Zielscheibe von Intrigen, Manipulation und Bedrohung werden, mit einem überraschendem Ende.
Neben den Menschen, die in “Rabenaas” ihr Leben lassen müssen, verlieren drei Kinder durch uneinsichtige, verbohrte und Eigennutz orientierte Verwandte ihre Eltern und den Glauben an den “guten Menschen”. Hauptkommissar Luka Kroczek behält nicht nur bei der Bedrohung seiner eigenen Familie die Nerven und den Glauben an das Rechtssystem, sondern überspringt am Ende auch seine Vorurteile gegen vermeintliche Straftäter kraft Familienzugehörigkeit.
Was bleibt zu sagen? Nach einem “lauen” ersten Kapitel hat es Klara Holm geschafft, mich die restlichen siebenundzwanzig Kapitel von “Rabenaas” an einem Nachmittag verschlingen zu lassen und damit muss es ein gutes und lesenswertes Buch sein.
Informationen zum Buch:
Klara Holm – Rabenaas
Rowohlt 2017
ISBN: 978-3-499272721
