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… Erfahrung mit Print on Demand Verlagen:

Bei der Erstellung von “Baltrum – Impressionen” (auf Wunsch der Tochter wieder in Farbe, nach den in schwarz/weiss gehaltenen „Föhr – Impressionen“ und „Nieblum (Föhr)“) lag die Problemstellung nicht darin, gute Bilder zu machen und einen schönen Text zu entwerfen. Die größte Herausforderung lag dieses Mal in der Veröffentlichung. Mein gewohnter und bevorzugter Verlag epubli war bei dieser Veröffentlichung keine hilfreiche Option. Es war zwar möglich Buch und Cover hochzuladen, der eigentliche Veröffentlichungsprozess scheiterte mehrfach kläglich, aufgrund einen mehrtägigen Netzwerkproblems (nach Auskunft der epubli Hotline). Der neuerliche Versuch ein neues Projekt zu starten und die Daten erneut auf die epubli Server zu laden, scheiterten bereits beim Transfer des Covers.

„Was also tun?“, sprach Zeus – warten bis irgendwann die Systeme wieder funktionieren oder einfach mal nach einer Alternative Ausschau halten? Bei meiner Recherche traf ich dann auf Books on Demand (BoD), den europäischen Marktführer. Gutes Preisgefüge, gute Onlineplattform, automatische Konvertierung meines Buches auch in E-Book Format, guter Telefon-Support. Ich habe also „Baltrum – Impressionen“ bei BoD veröffentlicht anstelle von epubli. Ich hoffe, das epubli zügig zur alten Qualität zurückfindet. Zunächst werde ich jetzt erst einmal meine Bücher über Books on Demand veröffentlichen. Diese Geschichte ist bestimmt noch nicht zu Ende.

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… mütterliche Verblendung und ihre Folgen

Auf 476 spannungsgeladenen Seiten, mit Verfilmungspotential, erzählt Jenny Milchman mit „Night Falls – Du kannst dich nicht verstecken“, die Geschichte von einem Gefängnisausbruch, der allein dazu dient, eine „vermeintlich“ alte Rechnung zu begleichen. Schon das Cover des bei Ullstein erschienen Thrillers lässt Rückschlüsse auf den Inhalt zu. Familienidyll auf dem Land unterbrochen durch eine brutale Rückkehr der, von Protagonistin Sandra verdrängten, Vergangenheit.

Verdrängung spielt in „Night Falls“ eine große Rolle. Zum einen eine Verdrängung in der Vergangenheit durch Sandras Mutter, deren Fokussierung auf die vermeintliche Hochbegabung des vergötterten Sohnes, zu tödlichen Ergebnissen führt.

Sandras Verdrängung der Vergangenheit und mangelnde Akzeptanz der Gegenwart führt wiederum zu tödlichen Ereignissen sowohl tatsächlich als auch metaphorisch.

Jenny Milchman schafft es jeden der Charaktere von „Night Falls“ einzigartig zu gestallten. Nick, der Sozio-/Psychopath, der eigentlich ein netter Kerl hätte werden können. Harlan, der ein netter Kerl mit väterlich dominierter Vergangenheit ist. Sandras Tochter Ivy, die eine pubertierende Tochter mit Durchblick darstellt. Mutter Barbara, die am Ende ihres Lebens dankbar ist, den Schleier des Selbstbetruges gelüftet zu haben, wenn auch nicht ganz freiwillig. Sandra selbst natürlich, die erkennen muss, dass die Verdrängung der Vergangenheit den Verlust der Gegenwart bedeuten kann – „Du kannst Dich nicht verstecken“.

Mit „Night Falls – Du kannst Dich nicht verstecken“ hat Jenny Milchman einen turbulenten und spannungsgeladenen Thriller veröffentlicht, der allemal das Zeug für eine Verfilmung hat.

Informationen zum Buch:

Jenny Milchman – Night Falls, Du kannst Dich nicht verstecken

Ullstein, Juli 2016

ISBN: 978-3-548-28755-3

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… Marketing im Mittelalter oder die Teilnahme an einem Kinderkreuzzug

Menschen bestellen sich im Jahr 2009 ein Mobiltelefon, das sie noch nie wirklich in den Händen gehalten haben. Die gleichen Menschen bestellen sich im Jahr 2016 ein Auto mit Elektroantrieb und der Möglichkeit sich von diesem Fahrzeug autonom durch die Lande fahren zu lassen, ohne jemals eine Probefahrt gemacht zu haben. Nebenbei stimmen Teile dieser Menschen dann auch für den Brexit, ohne genau zu wissen welche Konsequenzen dies hat. Warum machen die Menschen das? Sie glauben. Sie glauben den Versprechungen einer ausgeklügelten Marketingstrategie oder eines redegewandten Populisten um das Leben einfacher, unkomplizierter und komfortabler zu gestalten. Der historische Roman “Unter dem Banner des Kreuzes” von Astrid Fritz, erschienen bei Rowohlt/Wunderlich zeigt, dass sich die Mechanismen eines ausgeklügelten Marketings in den letzten 800 Jahren kaum verändert haben und das Fragestellungen, mit denen wir uns immer noch beschäftigen, schon im Jahre 1212 ein Thema waren. Anna, Tochter eines Schusters aus Freiburg, siebzehn Jahre jung, schlecht behandelt vom Vater, hat die Nase gestrichen voll von ihrem Leben. Sie erliegt den Versprechungen des Wappenknechts von Nikolaus, einem vermeintlich erleuchteten Hirten und begibt sich zusammen mit anderen Jugendlichen und Kindern auf eine Pilgerreise, um Jerusalem zu befreien, ohne eine Ahnung zu haben, welche Konsequenzen dies für ihr zukünftiges Leben hat. Zu Fuß, ohne Waffen, allein durch den Glauben soll das Unterfangen gelingen. Historisch betrachtet ist die Geschichte von Anna und ihren Glaubensgenossen in das Zeitalter der sogenannten “Kinderkreuzzüge” um 1212 einzuordnen. In frei zugänglichen Quellen finden sich nur wenige Informationen darüber, wie diese Kinderkreuzzüge stattgefunden haben. Gesichert scheint zu sein, dass sich einige tausend Kinder und Jugendliche auf den Weg in das “gelobte Land” gemacht haben, um dieses kampf- und waffenlos von den Sarazenen zu befreien. Weiterhin gilt es als gesichert, dass dieser Kinderkreuzzug bereits in Genua endete, da entgegen des Versprechens des Hirten, sich das Meer nicht teilte. Viele Pilger sind dann in Genua geblieben, einige sind unter Hohn und Spott in die Heimat zurückgereist und einige Wenige, die sich doch auf den Weg in das “gelobte Land” gemacht haben, wurden versklavt. Astrid Fritz schafft es mit “Unter dem Banner des Kreuzes” mühelos und spannend Fragestellungen der heutigen Zeit mit denen vergangener Tage zu verknüpfen. Schustertochter Anna sieht sich neben den Herausforderungen der Pilgerreise auch den Herausforderungen einer erwachsen werdenden Frau gegenüber. Avancen von Männern, plötzlicher Tod von Freunden und Familie sowie nichtvorhersehbare Wendungen ihrer Lebenslinie fordern einiges von der Protagonistin und ihren Weggefährten. Jetzt kann man sich fragen: “Na und? Auf so einen Firlefanz fällt doch heute keiner mehr rein.” Weit gefehlt, auch heute greifen die Mechanismen des menschlichen Schwarmverhaltens, das sich Marketingabteilungen und extreme Populisten zu Nutze machen. Heute werden Mobiltelefone und Autos alleine auf Basis von gut gestreuten Informationen gekauft. An Partys oder Demonstrationen nimmt man auf Basis ungefilterter Facebook Einladungen teil. Shitstorms und Sexting sind eher die Regel, als die Ausnahme. 1212 begab man sich aus den gleichen Gründen auf eine Pilgerreise oder Kreuzzug. Shitstorms wurden mündlich ausgetauscht und Sexting wurde mit dem Schwert und der Faust, anstelle von Gerichtsverfahren beendet. Genau deshalb wenden sich insbesondere in unserer aktuellen Zeit Menschen extremen Richtungen zu, ohne den Informationsgehalt von Nachrichten geprüft zu haben. Der Grund ist der Gleiche geblieben: Angst vor der Zukunft, Angst vor dem Ungewissen. Astrid Fritz schafft es mit “Unter dem Banner des Kreuzes” vortrefflich dem Leser aufzuzeigen, das Mechanismen und Probleme aus dem Jahr 1212 sich bis heute – leider – nicht geändert haben. Ein “LeseGenussMuss”.

Buchinformationen:

Astrid Fritz – Unter dem Banner des Kreuzes

Rowohlt/Wunderlich

ISBN 978-3805251006

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… Annum Guard – Agenten im Optimierungs-Zeitgeist

 

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Marty McFly (das war der aus „Zurück in die Zukunft“) würde vor Neid erblassen. Benötigt Amanda Obermann für eine Zeitreise doch keinen mit einem Fluxkompensator bestückten DeLorean, sondern lediglich ein kleines Kettchen mit einer „Zeitsprung-Uhr“.

„Die Achte Wächterin“ aus Meredith McCradle’s Zeitsprung – Saga, erschienen im Piper Verlag ist eine rasante Young Adult (YA) Geschichte durch die Welt von Geheimdiensten, Familientragödien und Korruption, die in den derzeit vorherrschenden Optimierungs-Zeitgeist passt.

Amanda, „Erstsemester“ an der Peel Academy (einer Ausbildungsstätte für spätere CIA, NSA und FBI Mitarbeiter), staunt nicht schlecht, als sie gleich nach ihrem ersten Ausbildungsjahr, entgegen aller Erwartungen, rekrutiert wird. Allerdings nicht zum CIA oder sonstigen Geheimdiensten, sondern zu Annum Guard – von der sie noch nie vorher gehört hat. Annum Guard ist eine Geheimorganisation von der nur die höchsten Regierungsstellen (in den USA der Präsident) Kenntnis haben und die ihre sieben, mit Amanda acht, Mitarbeiter in die Vergangenheit schicken, um diese zu verbessern – nicht zu verändern – um die Zukunft zu optimieren (so jedenfalls das Mantra der Organisation). Amanda gerät schon bei ihrem ersten Auftrag in einen Sumpf aus Intrigen, Tragödien und Korruption.

Auch wenn ich am Anfang von Amandas Einsatz für Annum Guard dachte: „Mein Gott, was für eine Stümperin hat man denn da auf die Menschheit losgelassen“, hat Meredith McCradle mit „Die Achte Wächterin“ ein spannungsgeladenes Buch geschaffen, das den Leser von der ersten bis zur letzten der rund 400 Seiten in seinen Bann zieht. Ich selbst habe das Buch an zwei Abenden „verschlungen“ und das ist mir lange nicht passiert. Die Geschichte macht deutlich, einmal abgesehen von der Nichtexistenz von Zeitreisen (oder?), dass man nicht jeden Wikipedia Eintrag kritiklos glauben sollte, dass Freunde nicht immer Freunde sind, dass vermeintliche Gegner sich in der Not als verlässliche Kampfgenossen entpuppen und nicht immer alles so ist, wie es zunächst scheint.

Die Achte Wächterin“ von Meredith McCardle ein „LeseGenussMuss“.

Buchinformationen:

Meredith McCardle – Die Achte Wächterin

Piper Verlag

ISBN 978-3-492-70352-9